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Rückblick Lesungen und Veranstaltungen 2011
Dienstag, 29. November 2011
19 Uhr

Rezitationsabend »Der Rhein«
mit Renate Bleibtreu

Seit der Romantik gilt der »Vater Rhein« als lebensspendender, die Völker verbindender Strom. Mal preußisch armiert, mal in melancholischer Abendstimmung hingetuscht, mal als grandiose Kulisse zu Volksfesten und Bacchanalien – der Rhein ist liedfähig wie kaum ein zweiter Fluss in Europa. Den Deutschen dient er als Folie für alles, was das Leben lebenswert macht. Aus ihm steigen die Mythen empor, finster und faszinierend oder in einem lauten Reigen. Clemens Brentano hat ihm eine Nixe geschenkt: die Loreley. Heinrich Heine hat sie zum Hit gemacht. Guillaume Apollinaire hat sie in die Moderne herübergeholt. Auch Hans Arp steuerte mit seinem Gedicht »weltwunder« eine schöne Rheinphantasie bei: »die töchter aus elysium und radium binden die rheinstrudel zu sträußen«. Renate Bleibtreu, geboren 1942 in Wien, lebt als Schauspielerin und Übersetzerin in Hamburg. Ihre Übersetzungen von Ingmar Bergmann und August Strindberg trafen auf einhelliges Lob der deutschen Literaturkritik. Im Jahr 2008 war sie die philologische Begleitung von »Poesie der Nachbarn: Schweden«.

 
Dienstag, 25. Oktober 2011
19 Uhr

Poesie der Nachbarn: Belgien

Mit Eric Brogniet, Erik Spinoy, Gerhard Falkner, Norbert Lange und Hans Thill

Musikalische Begleitung:
Duo Parthenon (Christine Rauh, Cello & Johannes Nies, Piano)

Lesung aus der Anthologie: »Meine schlichten Reisen. Gedichte aus Belgien«.

Kein Sprachenstreit war zu erwarten, als am 23. Juni 2010 die Übersetzerwerkstatt »Poesie der Nachbarn: Belgien« im Künstlerhaus Edenkoben ihre Arbeit begann. Im Gegenteil zeigten sich die flämischen und wallonischen Gäste wenig beeindruckt von der Krise Belgiens als Nation. Philologisch begleitet von Beate Thill (Französisch) und Stefan Wieczorek (Niederländisch) haben deutschsprachige Lyriker ihre flämischen und wallonischen Kollegen ins Deutsche übersetzt. Neben den drei Schriftsprachen niederländisch, französisch, deutsch fanden noch viele weitere Idiome ihren Einsatz, ein schönes Babylon im gemeinsamen Bemühen an den Nachdichtungen herausragender Autoren Belgiens.

Poesie der Nachbarn ist ein gemeinsames Projekt vom Arp Museum Bahnhof Rolandseck und dem Künstlerhaus Edenkoben.

 
Dienstag, 13. September 2011
19 Uhr

Reinhard Jirgl
»Die Stille«

Es war eine große Überraschung, als Reinhard Jirgl im Jahr 2010 mit dem Büchner-Preis die wichtigste Literaturauszeichnung zugesprochen wurde. Denn der kraftvolle Erzähler gilt als originell und sperrig. Seine Romane sind große epische Entwürfe, expressive Kraftakte eines den Leser aufrüttelnden Erzählens, das auch die avantgardistische Geste nicht scheut.

Jirgl, so heißt es in der Begründung der Jury, erzählt »von den Aufbrüchen und Katastrophen, den Kriegen und Vertreibungen, den Zeiten der Teilung und der schwierigen Vereinigung. Dabei lässt er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und macht – so zuletzt in den großen Romanen ›Die Unvollendeten‹ und ›Die Stille‹ die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar.«

Reinhard Jirgl wurde 1953 in Ost-Berlin geboren. In der unmittelbaren Nachwendezeit 1990 erschien sein erstes Buch »Mutter Vater Roman« beim Aufbau-Verlag. Größere Bekanntheit erlangte Jirgl mit seinem Roman »Abschied von den Feinden« (1995), für den er den Döblin-Preis bekam. In den Folgejahren wurde der Autor mit zahlreichen Auszeichnungen dekoriert, vom Marburger Literaturpreis über den Kranichsteiner und Rheingau Literaturpreis bis hin zum Lion-Feuchtwanger-Preis im Jahr 2009.


 
Donnerstag, 9. Juni 2011
19.30 Uhr

Thomas Lehr
September. Fata Morgana

Moderation: Stefan Weidner

New York 2001 und Bagdad 2004, zwei Väter und zwei Töchter: Der deutsch-amerikanische Germanistikprofessor Martin lebt mit seiner Tochter Sabrina in den USA, der irakische Arzt Tarik und seine Tochter Muna leben in ihrer Heimatstadt Bagdad. Nichts verbindet sie. Doch dann stirbt Sabrina am 11. September 2001 im World Trade Center, während Muna in den letzten Kriegstagen 2004 in Bagdad ums Leben kommt. Mit diesem Roman, der zwei parallele Lebensgeschichten erzählt, legt Lehr ein Werk vor, das die politischen Katastrophen der jüngsten Vergangenheit ins Zentrum setzt, und begibt sich auf eine literarische Grenzwanderung zwischen zwei Kulturen. »September« ist ein vielschichtiges, beeindruckendes Werk; in einer verdichteten, lyrischen Sprache geschrieben, versucht es, durch die Ausleuchtung des historischen und kulturellen Hintergrunds den politischen Konflikt zum Dialog zu erweitern. Eigensinnig und hartnäckig bewahrt der Roman das Andenken an zwei getötete Frauen, die stellvertretend für die Opfer dieses Konflikts stehen.

Thomas Lehr wurde 1957 in Speyer geboren, 1993 veröffentlichte er seinen ersten Roman, seit 1999 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Für sein literarisches Werk wurde Lehr mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
 
Dienstag, 24. Mai 2011
19.30 Uhr

Hartmut Lange
Die Verteidigung des Nichts

Moderation: Prof. Dr. Birgit Lermen

Langes Novellen thematisieren den schmalen Grat zwischen der Normalität des Alltags und dem Einbruch des Irrationalen, dem metaphysischen Abgrund, der sich dahinter auftut. Sie zeigen Menschen, die ihre scheinbare existentielle Sicherheit verlieren und die plötzlich die Sehnsucht überkommt, jene Grenze zu überschreiten. So auch die Novelle »Die Verteidigung des Nichts«, die in knappen und schmucklosen Sätzen, die den Leser aber dennoch sofort in den Bann ziehen, den Sinn einer nihilistischen Handlung – ein todkranker Abiturient und dessen Vater, der ihm in den Tod folgt – beschreibt. Hartmut Lange wurde 1937 in Berlin-Spandau geboren und studierte an der Filmhochschule Babelsberg Dramaturgie. 1960 erhielt er eine Anstellung als Dramaturg am Deutschen Theater in Ostberlin. Von einer Reise nach Jugoslawien kehrte er nicht in die DDR zurück und ging stattdessen nach Westberlin. Hier arbeitete er für die Schaubühne am Halleschen Ufer, für die Berliner Staatsbühnen und am Schiller- und am Schlosspark-Theater. Lange schreibt Dramen, Essays und Prosa, besonderen Ruhm erlangte er als Novellendichter. 2003 wurde er für sein Werk mit dem Italo-Svevo-Preis ausgezeichnet. In Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Sonntag, 15. Mai 2011

Internationaler Museumstag
Ein Tag zum Staunen im Arp Museum Bahnhof Rolandseck


Anlässlich des Internationalen Museumstages 2011 lädt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck kunstinteressierte Familien zum Entdecken und Staunen ein.

Eintritt und Führung sind an diesem Tag kostenlos!

Familienführung:
»Hochwasser – Trink oh Herz vom Überfluss der Zeit!«


Sonntag, 15. Mai 2011, 15 Uhr, ca. 45-60 Min.

Die spektakuläre raumgreifende Installation des Schweizer Künstlerpaares Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger aus Schwemmholz, ausgestopften Tieren, Zivilisationsmüll und vielem anderen begeistert viele Besucher.


Familienkurs:
Wasserspuren


Sonntag, 15. Mai 2011, 16 bis 18 Uhr

In großflächigen freien farbigen Aquarell-Zeichnungen folgt man der Strömung des Flusses, schlägt Wellen an seinen Ufern, kriecht mit dem Stift hinein in das Wurzelwerk der Schilfpflanzen und ertastet sich seinen Weg in die Naturauen bis hinauf in die hohen Astgabeln der alten Uferbäume. Es gilt das Netzwerk und die Rhythmen der Natur spielerisch durch den Verlauf des Wassers zu erfahren.

Von diesem künstlerischen Kosmos inspiriert können Kinder und ihre Eltern unter Anleitung von Franca Perschen in großflächigen farbigen Aquarell-Zeichnungen dem Netzwerk und Rhythmus der Natur nachspüren.

Materialkosten zum Kurs:
Erwachsene 6,50 Euro, Kinder 3,50 Euro


 
Dienstag, 8. März 2011
19.30 Uhr

John von Düffel
Vom Wasser

Moderation: Alexander Wasner, SWR

Zwischen der träge dahinfließenden Diempel und der bedrohlichen wilden Olpe gründet der Urgroßvater des Erzählers eine Papierfabrik. Der Familienpatron, der erst dem Wasser seinen Willen aufzwingt und später dann in der Olpe ertrinkt, erfährt hier, wie sich Wasser in Papier und Papier in Geld verwandelt. Vier Generationen später, als die Fabrik abgerissen werden soll, rekapituliert der Enkel die Familiengeschichte, die zwischen Neid, Liebe, Hass und Gier alle Facetten einer Familiensaga bietet, jedoch immer wieder durch das Wasser bestimmt wird. Denn eigentliche Hauptperson des Romans bleibt das Wasser und dessen Bewegung im rhythmischen Wechsel des Elementaren. Der Leser wird wie der Erzähler, der sich dem schillernden Strom der Erinnerungen und Gedanken hingibt, in den mächtigen Sog des Romans gezogen. John von Düffel wurde 1966 in Göttingen geboren. Mit »Vom Wasser« schrieb er seinen ersten Roman, wurde dafür beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet und gewann den Aspekte-Literaturpreis des ZDF.
Dienstag, 18. Januar 2011
19.30 Uhr

Arp im Ohr
Ulf Stolterfoht liest zu Hans Arp


Moderation: Hans Thill

Unter dem Motto »Arp im Ohr« startete vor zwei Jahren eine Lesereihe, in deren Rahmen sich zeitgenössische Autoren mit dem literarischen Werk des Hauspatrons Hans Arp auseinander setzen. Denn dieser war – was Wenigen bekannt ist – nicht nur Bildender Künstler, sondern auch Literat. In diesem Jahr wird Ulf Stolterfoht das Experiment zu Arp wagen: Ausgehend von neun Zeilen aus neun frühen Gedichten Hans Arps, die nun wiederum neun neuen Gedichten von Ulf Stolterfoht die Titel geben, möchte er versuchen, so etwas wie eine »Fachsprache Hans Arp« zu erzeugen. Dabei können die Arp-Titel allerdings nur als Generator dienen. Ulf Stolterfoht wurde1963 in Stuttgart geboren. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete Stolterfoht für den Rundfunk, als Gastprofessor für Lyrik am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und als Poetikdozent in Hildesheim. Er erlangte zahlreiche Preise: unter anderem das Stipendium der Villa Massimo 2007, den Peter Huchel-Preis 2008 sowie zuletzt den Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2009. Heute lebt und arbeitet der Lyriker und Übersetzer in Berlin.